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TOURISMUSIMPULSE

Interview mit Michael Oberhofer in der österreichischen Zeitschrift "Tirolerin" über die Zeit nach der Krise.

Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen, und mit welchem Leitsatz versuchen Sie, diese schwierige Phase zu meistern?

Wir mussten uns in den letzten Wochen extrem rasch an eine komplett veränderte Arbeitssituation anpassen – 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bislang in engem Austausch auf dem Brandnamic-Campus operierten, gingen vollzählig ins Home-Office. Das ist uns dank der enormen Flexibilität und des großen Engagements aller Beteiligten außerordentlich gut gelungen, worauf wir wirklich stolz sind. Inhaltlich sahen wir uns vor allem mit der veränderten Situation unserer Kundinnen und Kunden konfrontiert, die fast alle aus der Hotelbranche kommen. Das erforderte von uns einen neuen Schwerpunkt in der Beratung. Unser Credo ist, dass jede Schwierigkeit Möglichkeiten in sich birgt, die es zu ergreifen gilt.

Wie wird Corona das Reisen generell verändern? Wird es eine Entschleunigung geben?

Sicher, aber ich glaube, es wird lediglich eine Entwicklung beschleunigen, die sich als Trend in den letzten Jahren bereits abzeichnete: Das Reisen wird ruhiger werden, lokaler, mit Tendenz zum Kurzurlaub, hin zu mehr Qualität statt Quantität. Kurzum: zum Slow Tourism. Die Menschen werden bewusster reisen, das Erlebnis wird im Vordergrund stehen, sozusagen die Transformation des Selbst, nicht der schnelle Konsum.

Inwieweit müssen Hotels ihre Positionierung auf Grund der besonderen Herausforderung überdenken?

Das wird zwar sehr von den Vorgaben abhängen, die man im Zusammenhang mit der Sicherheit für Reisende und Tourismusbetreiberinnen und -betreiber von oben erlassen wird, und auch davon, wie schnell ein Impfstoff entwickelt wird. Auch hier gilt, dass sich ein vorhandener Trend einfach noch schneller durchsetzen wird: Jeder Gast wird mehr Platz haben wollen und erhalten, der Freiheitsgedanke, das Streben nach Einheit mit der Natur und Authentizität wird sich noch stärker manifestieren als vorher. Hier sind wir im Alpenraum klar im Vorteil, da wir diese Dinge landschaftlich und dank der Tourismuskultur, die wir jahrzehntelang gepflegt haben, schon jetzt bieten können.

Werden Nahziele noch mehr in den Fokus rücken?

Zweifellos, wie eben erwähnt. Um in den Alpenraum zu gelangen, muss ein Gast aus unseren klassischen Märkten keine Flugreise unternehmen. Wir sind im Grunde von ganz Europa aus mit dem Auto erreichbar – und eine Autofahrt bedeutet, dass man sich keiner unbekannten Menschenmenge aussetzen muss, mit der man auf kleinstem Raum unterwegs ist.

Was ist in der Gästekommunikation in Zeiten wie diesen besonders wichtig?

Hier müssen wir zwei Phasen unterscheiden, nämlich die akute Phase, der ja viele Staaten mit einem Lockdown begegnet sind, und einer, die ich als „Post-Corona“ definieren möchte, also der Zeitraum nach den ersten Lockerungen. In der Zeit „während“ Corona geht es darum, die Gäste emotional zu unterstützen, ihnen die Sicherheit zu vermitteln, die ihnen die Situation nicht gibt – natürlich immer in aller Ehrlichkeit. Wir betreiben „emotionale“ Kommunikation, sprechen Trost und Zuversicht aus, und signalisieren, dass das Leben weitergeht – anders, aber vielleicht sogar auf eine bessere Art, dank der neugewonnenen Erkenntnisse. Wenn der Reisebetrieb wieder aufgenommen wird, geht es um konkrete Strategien zu Hygiene, Schutz von Reisenden und Mitarbeitenden und so weiter.

Auf welche generellen Auflagen wird sich die Hotellerie einstellen müssen – Büfetts wird es wohl in naher Zukunft nicht geben?

Da würde ich tatsächlich erst einmal gerne zur Zurückhaltung auffordern. Im Moment mutiert jeder zur Hygieneexpertin oder zum Hygieneexperten, aber wir müssen die Entwicklungen der nächsten Wochen abwarten, schauen, welche Auflagen es geben wird, und auf dieser Erkenntnisbasis dann Strategien aufbauen. Neben der Einhaltung von neuen Vorschriften wird es wichtig sein, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Diese Krise bietet auch neue Möglichkeit des Zusammenhalts. Sehen Sie hier auch Potenzial?

Absolut. Potenzial wie Gefahren, denn nimmt man einerseits einen kaum je gekannten Zusammenhalt wahr, wird an manchen Stellen der Ton wieder rauer. Das ist menschlich, aber ich würde mir wünschen, dass wir uns die positiven Erkenntnisse bewahren, die wir aus dieser Krise gewonnen
haben. Etwa, wie viel möglich ist, wie flexibel wir sein können, wenn es die Umstände erfordern. Ich glaube immer an Menschlichkeit, die uns sehr viel weiterbringt als alles Andere. Es ist ja nicht nur eine Katastrophe über uns hereingebrochen, es ist uns eine einmalige Chance gegeben worden, die
Dinge zum Besseren zu wenden. Die sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.

In a world where you can be anything, be kind.

 

 

Brandnamic

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