Menu schliessen

Die Substanz muss stimmen

Wer auf Employer Branding setzt, hat im Kampf um qualifizierte Fachkräfte die Nase vorn. Worum es dabei eigentlich genau geht und weshalb jeder Betrieb davon profitieren kann, erklärt Michael Oberhofer, Geschäftsführer der Südtiroler Tourismusmarketingagentur Brandnamic, im Interview. 

  

Was versteht man unter Employer Branding genau?

Technisch gesehen ist Employer Branding eine Maßnahme, bei der man diverse Marketingstrategien einsetzt, um ein Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Employer Branding ist besonders auch in der Hotellerie ein immer wichtiger werdender Aspekt erfolgreicher Markenführung. Hoteliers, die auf der Suche nach fähigen, motivierten MitarbeiterInnen sind, setzen verstärkt darauf, ihre Rolle als Arbeitgeber positiv nach außen – und innen – zu kommunizieren. Dazu werden Investitionen in Recruiting, Teambuilding, Weiterbildung und überhaupt attraktive Vorteile für MitarbeiterInnen getätigt. In der Praxis ist das Ganze selbstverständlich viel emotionaler, es geht schließlich um zwischenmenschliche Beziehungen; darum, den MitarbeiterInnen zu signalisieren, dass man sich auf derselben Werteebene begegnet. Du als ArbeitnehmerIn bist für den Erfolg meines Hotels ebenso unverzichtbar wie ich als ArbeitgeberIn. Wir sind auf dich angewiesen. Wir schätzen dich. Wir sehen dich. Nichts ist für Menschen so wichtig, wie wahrgenommen zu werden, als Individuum und für seine Leistungen.

 

Warum ist Employer Branding im Tourismus so wichtig?

Die Tourismusbranche ist eine der am härtesten umkämpften, wenn es um Personalfragen geht. Die Nachfrage nach wirklich fähigen MitarbeiterInnen ist enorm, sie übersteigt die Menge der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte um ein weites. Die Anforderungen an Beschäftigte sind deshalb so hoch, weil diese über eine große Bandbreite an Kompetenzen verfügen müssen: Sie müssen einerseits wahnsinnig gut ausgebildet, andererseits einfühlsam, belastbar, positiv, interessiert, engagiert und motivierend sein. Diese Skills haben einfach nicht allzu viele Menschen, gerade in einer Zeit, die ArbeitnehmerInnen oft suggerieren möchte, dass man sich zu „schade“ dafür sein sollte, anderen Menschen zu dienen – um bei diesem Begriff zu bleiben, der hinter der Bezeichnung „Dienstleistung“ steht. Dass dem nicht so ist, dass es im Gegenteil zum Schönsten überhaupt gehört, anderen etwas zu geben und man das nur auf Augenhöhe tun kann und muss, das übersehen viele. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass Employer Branding diese positiven Aspekte des Berufs hervorhebt und die MitarbeiterInnen umwirbt, ihnen signalisiert, wie wichtig ihr Beitrag ist.

 

Kann ein kleiner bzw. Mittelstandsbetrieb auch davon profitieren?

Aber natürlich! Jeder Betrieb profitiert von Mitarbeiterbranding. Gelungenes Mitarbeiterbranding ist nicht nur eine Frage des Budgets. Man kann auch mit kleinen finanziellen Mitteln ein großes Wir-Gefühl schaffen, seinen MitarbeiterInnen Wertschätzung zeigen. Das sind ja lauter Dinge, die erst einmal nichts kosten, weil sie ohnehin die Basis jeder gesunden Beziehung zwischen Arbeitgeber- und ArbeitnehmerIn bilden müssen. Die Zeiten der patriarchalen Unternehmensstrukturen, in denen der Hotelier befahl und die Angestellten gehorchten bzw. ausführten, sind zum Glück lange vorbei. Das waren ja auch keine Beziehungen, das waren Abhängigkeiten. Von da ausgehend, kann man natürlich je nach Budget unterschiedlich viel ins Employer Branding investieren. Marketing dient ja in erster Linie dazu, sich auf dem Arbeitsmarkt genauso wie bei den Gästezielgruppen bekannt zu machen und seine Identität, seine Haltung als ArbeitgeberIn nach außen zu transportieren. Mein Rat ist aber, immer so großzügig wie möglich in Employer Branding zu investieren. Es macht sich bezahlt.

 

Wie kann ich mein Image als ArbeitgeberIn positiv beeinflussen?

Wie bei allem, was mit Image zu tun hat, gilt: Die Substanz muss stimmen. Wenn ich als ArbeitgeberIn nicht gut bin, werde ich mir auch kein positives Image aufbauen können. Das würde schließlich spätestens nach ein paar Arbeitstagen in sich zusammenfallen, es würde wohl gar nicht erst entstehen können, denn die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz ließe das nicht zu. Es geht also darum, wirklich gut zu sein, seinen MitarbeiterInnen einen tollen, abwechslungsreichen Arbeitsplatz mit der Möglichkeit, sich zu entfalten und konstruktiv einzubringen, zu bieten. Es geht darum, Verantwortung an andere zu übertragen, zu vertrauen und motivieren, zu verstehen, dass man anderen Menschen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen muss. Den MitarbeiterInnen muss man denselben Stellenwert zukommen lassen wie den Gästen. Das alles klug zu vermitteln weiß eine erfahrene Marketingagentur. Ich würde daher lieber sagen, es geht um Tatsachenvermittlung, nicht um Schaffung eines Images.

 

Die Arbeit im Tourismus wird oftmals mit herausfordernden Arbeitszeiten und einem hohen Stresslevel assoziiert. Was können Betriebe tun, um diese Vorurteile zu entschärfen?

Es entspricht ja nicht der Unwahrheit, dass die Arbeit als Gastgeber sehr intensiv ist – wogegen ich mich sträube, ist die Tatsache, dass dieser Umstand so negativ gewertet wird. Ja, die Arbeitszeiten sind oft länger als in manch anderen Berufen, unsere Branche verlangt großes Engagement, man gibt viel, auch von sich selbst. Gleichzeitig erhält man durch den Kontakt mit den Gästen wahnsinnig viel zurück, hat menschliche Begegnungen, die anderswo so nicht denkbar sind. Eine Persönlichkeit, der Dienstleistung fremd ist, für die Empathie keine Bereicherung ist, ist in diesem Beruf ohnehin fehl am Platz. Wer sich für eine Laufbahn im Tourismus entscheidet, sollte sich dazu berufen fühlen. Für alle, die für Gastfreundschaft brennen, kann dieser Beruf wahnsinnig inspirierend und bereichernd sein. Darauf, auf diesen persönlichen Zugewinn, sollten wir den Fokus in der Kommunikation legen, nicht auf den Stress. Es ist die alte Regel: Wer viel gibt, erhält auch viel zurück.

 

Welche Rolle spielen digitale Bewertungsplattformen für Arbeitgeber (z.B. Kununu)?

Noch spielen sie keine übergeordnete Rolle, sie gewinnen aber zunehmend an Bedeutung. Man kann ihre Funktion mit jener von Hotelbewertungsplattformen vergleichen, vor allem, wie anfangs funktionierten. Gerade Websites wie Glassdoor sollte man dazu nutzen, um sich als Unternehmen zu präsentieren, auf sich aufmerksam zu machen – und genauso wie auf Hotelbewertungsplattformen ist es wichtig, auf jede Bewertung, egal, ob positiv oder negativ, mit einer konstruktiven Antwort zu reagieren. So stellt man seine Souveränität unter Beweis und kann oft genug negativen Kommentaren sollte es sie denn geben – den Wind aus den Segeln nehmen. User sind immer an einer umfassenden Sicht der Dinge, an beiden Seiten, interessiert. Auch so verschaffen sie sich ein Urteil. Abgesehen davon vertrauen ArbeitnehmerInnen nach wie vor stark auf persönliche Erfahrung und direkte Empfehlungen. Wie ich als ArbeitgeberIn auf Bewerbungen reagiere, wie ich Interesse signalisiere, wie verbindlich ich im Gespräch bin – das sind zwischenmenschliche Faktoren, die keine digitale Erfahrung ersetzen kann.

 

Brandnamic

4.8 von 5 Sterne | Google
Scroll up

Ausfüllen, absenden, up to date bleiben

Kleinen Moment noch – der Inhalt wird geladen ...