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„Im Hotel der Zukunft darf man wieder sein, nicht nur agieren“

Michael Oberhofer im Interview

Als Hotelierskind wurde ihm das Tourismus-Gen praktisch in die Wiege gelegt, als Spezialist für Hotel und Destinationsmarketing lebt er die Leidenschaft für die Branche: Michael Oberhofer ist teilhabender Geschäftsführer von Brandnamic, einer Full-Service-Marketingagentur aus Brixen in Südtirol mit 130 Mitarbeitern sowie Filialen in München und Meran, die er gemeinsam mit den Mitinhabern Hannes Gasser und Matthias Prader führt. Sein Haupttätigkeitsfeld liegt in der Beratung Südtiroler und internationaler Kunden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Kroatien. Ein gutes Hotel definier er als einen Rückzugsort, wo in aller Ruhe die Sinne aufblühen können. Seine Formel zu nachhaltigem Erfolg: Weniges, aber Gutes.

  

Was übt in der Tourismusbranche die größte Faszination auf Sie aus?

Ich bin ja selbst ein Hotelierskind, also nicht nur mit meiner Familie, sondern immer auch mit einem Kommen und Gehen von Gästen aufgewachsen, mit Menschen von überallher – vertrauten Stammgästen und neuen Menschen; und nach all diesen Jahren hat das Gastgebersein nie seine Faszination für mich eingebüßt. Es ist immer noch die Gastfreundschaft selbst, in all ihren Facetten, die für mich der Dreh- und Angelpunkt des „guten“ Tourismus ist. Was gibt es Schöneres, als die wertvollste Zeit des Jahres für Menschen mitzugestalten?

 

Wie sieht Ihr normaler Arbeitstag aus?

Tatsächlich habe ich selten einen Arbeitstag, der dem anderen gleicht – was ich glücklicherweise der Vielfalt meines Jobs zu verdanken habe. Dennoch versuche ich, einige wenige Routineabläufe einzuhalten. Dazu gehört es, am Vorabend eine Liste der Aufgaben für den Folgetag zu machen, Prioritäten festzulegen und vor allem auch, Platz für Unvorhergesehenes und Zeit zum Nachdenken einzuplanen. Inspiration erhalte ich u. a. durch die Gespräche mit meinen beiden Geschäftspartnern und meinen Mitarbeitern, die ich bei meiner täglichen Runde auf dem Brandnamic Campus und während meiner vielen Sitzungen treffe. Allgemein stehe ich früh auf, um den Tag gesammelt und konzentriert anzugehen.

 

Welche Veränderungen wird die Corona-Pandemie in der Reisebranche nach sich ziehen?

Es wurde oft gesagt, und ich kann es nur wiederholen: Wir werden mehr auf unser ganzkörperliches Wohlbefinden achten, auf freien, unberührten Raum. Wir wollen wahre Begegnungen, keine simulierte Freundlichkeit, wir wollen Echtes, Naturbelassenes. Dem muss der Tourismus Rechnung tragen: durch einen klaren Fokus auf tatsächliche Nachhaltigkeit, Besinnung aufs Lokale bei einer internationalen Einstellung – also einer offenen und flexiblen Haltung – und auf wirkliche Verbindlichkeit dem Gast gegenüber. Das Motto wird sein: Weniges, dafür aber Gutes.

 

Wohin wird der Weg in Sachen Wellness führen?

Zeit für sich, intensive Ruhe werden eine noch größere Rolle spielen als bisher, die Privatsphäre bei Behandlungen, die individuelle Fürsorglichkeit, die den Gästen entgegengebracht werden, wird wichtiger. Den Menschen wird immer deutlicher, welcher Stellenwert die Gesundheit hat, sie wollen ihrem Körper etwas Gutes tun, nicht erst Probleme behandeln, sobald sie auftauchen, sondern ihnen rechtzeitig vorbeugen. Die Architektur wird diese Bedürfnisse widerspiegeln müssen, sie wird weiträumiger werden, offener, minimalistischer, sie darf nicht vom Wesentlichen ablenken.  Auch die Außenbereiche werden relevanter, Natur und Architektur verschmelzen, Wald, Wiesen, Berge tragen zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden bei.

 

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Hotelier aus?

Vor allem gelebte Gastfreundschaft – und die besteht aus ehrlichem Interesse, Empathie, Dienen im allerbesten Sinne des Wortes, also der Freude am Geben auf Augenhöhe, Geben, das einem auch viel zurückgibt. Hoteliers dürfen sich nicht nur als gute Baumeister sehen, als solche, die Projekte umsetzen; sie müssen auch genießbar sein und genießen, Menschen mögen und verstehen wollen – und sich immer neu erfinden, an seinen Gästen wachsen.

 

Wie sollten führende Hotels in zehn Jahren aussehen?

Führende Hotels erkennen schon jetzt, dass Protz kein zeitgemäßer Wert mehr ist, dass Wahrhaftiges im Klaren, Einfachen liegt, der Luxus im Schönen und Wertvollen, das einem guttut, aber kein simples Accessoire ist. Ein gutes Hotel ist ein Rückzugsort, der die Sinne deshalb aufblühen lässt, weil er ihnen die Ruhe zugesteht, sich Einhalt zu gebieten, sich neu zu entdecken – und zwar für Gäste wie auch Mitarbeiter. Die Bedürfnisse aller werden ernstgenommen, und die Architektur spiegelt dies wieder, nimmt sich zurück, Lieferketten belasten nicht die Umwelt. Im Hotel der Zukunft darf man wieder sein, nicht nur agieren.

 

Ihr schönster Platz, um Urlaub zu machen?

Im Moment ist das mit Sicherheit Capri. Ich war in den letzten Jahren mehrfach dort und liebe alles an der Insel: die Lage, die Atmosphäre, das Wetter, die Menschen, das wundervolle Essen, die Schönheit und Zelebration der Schönheit in jeder Kleinigkeit. Nicht umsonst ist sie einer der Urlaubsorte, die Besucher aus aller Welt seit jeher faszinieren. Man will immer wiederkommen.

 

Was würden Sie durchsetzen, wenn sie Tourismusminister wären?

Ganz ehrlich? Ich möchte nicht Tourismusminister sein, ich möchte überhaupt kein Politiker sein. Ich fühle mich in der Privatwirtschaft ziemlich gut aufgehoben und meine, dass ich die Veränderungen, die ich hier für den Tourismus – auch im bedingt Großen – durchsetzen möchte, am besten umsetzen kann. Und dass das bessere Veränderungen sein können, weil ich nicht den Zwängen unterliege, die Politiker in ihrer täglichen Arbeit letztlich in ihrer Handlungsfreiheit so einschränken.

 

Das beste Hotel der Welt aus Ihrer Sicht?

Ich würde sagen: jedes erstklassige Hotel, wo einem die Gastfreundschaft begegnet, die man als ehrlich empfindet – und wo man mit Menschen Zeit verbringt, unter denen man sich wohlfühlt. Sonst vielleicht das legendäre Raffles in Singapur.

 

Praktizieren Sie selbst Wellness?

Selbstverständlich, meistens gönne ich mir kurze Wellnesswochenenden zwischendurch – mit Vorliebe in den Belvita Leading Wellnesshotels Südtirol. Das ist für mich eine Wohltat. Wellness ist die effizienteste Art, um rasch wieder Energie zu tanken, und in diesen 29 erstklassigen Südtiroler Hotels findet man wahnsinnig viel Abwechslung – und vorzügliches Essen, was mir ausgesprochen wichtig ist.

 

Wie könnte ein treffender Werbeslogan über Sie persönlich lauten?

Erkenne jede Chance, ergreife sie, sei dankbar für Dein Glück.

Brandnamic

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